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 Petra

 Petra befindet sich südlich von Amman. Reste aus der Alt- und
 Jungsteinzeit (ca. 10.000 - 6000 v. Chr.) wurden in Beidha,
 nördlich von Petra und im südlichen Sabra entdeckt. In der
 Eisenzeit (800 - 600 v. Chr.) war Um el-Biyarah eine der größten
 Siedlungen des Edomiterreichs in Petra. Die Nabatäer kamen im
 6. Jahrhundert v. Chr. von der arabischen Halbinsel nach Petra.
 Sie besetzten zuerst die Burg Um el-Biyarah und widerstanden
 den Angriffen des griechischen Generals Antigonos im Jahr 312
 v. Chr. Im hellenistischen und römischen Zeitalter war Petra
 die Hauptstadt des Nabatäerreichs (4. Jahrhundert v. Chr. -
 106 n. Chr.) und wurde das größte Karawanenzentrum. Die Nabatäer
 handelten mit arabischen Aromata, chinesischer Seide und
 indischen Gewürzen und brachten diese nach Gaza und Alexandrien.
 Der nabatäische König Aretas III. breitete seine Herrschaft bis
 nach Damaskus aus.

 Im Jahr 25 n. Chr. unternahm Augustus eine Expedition nach
 Südarabien, um sich die Kontrolle über den Gewürzhandel
 anzueignen, was ihm jedoch nicht gelang. Er schuf einen
 Wasserweg zwischen Arabien und Alexandrien über das
 Rote Meer und den Nil. Der damit verbundene Rückgang des
 Landverkehrs verursachte den allmählichen Untergang Petras.
 Schließlich wurde Petra 106 n. Chr. von Trajan annektiert,
 der Bosra in Syrien zur neuen Hauptstadt der Provinz Arabia
 erhob.

 In byzantinischer Zeit wurde Petra zum Bischofssitz der
 Palaestina Tertia. 363 n. Chr. wurde es von einem schweren
 Erdbeben zerstört und verlor allmählich an Wichtigkeit als
 Handelszentrum der Karawanen.

 In der Zeit der Kreuzzüge gewann Petra wieder an Bedeutung;
 es wurden drei Burgen erbaut. Der Mameluckensultan Baybars
 besuchte Petra auf seiner Reise nach Karak im Jahr 1276 n.
 Chr. Danach sprach niemand mehr von der Stadt, bis 1812 der
 Schweizer Reisende Johann L. Burkhardt sie wiederentdeckte.

 Petra, die "rosenfarbene" Stadt, besitzt viele gut erhaltene
 Monumente, die in die bunten Felsen gehauen sind. Die Stadt
 war unter vielen Namen bekannt: Reqem, Selà, Petra - alle
 Namen haben dieselbe Bedeutung: "Fels".

 Das Schatzgrab (AI Khaznah) hat eine wunderschöne Fassade,
 die mit in Stein gehauenen Säulen und Statuen aus dem ersten
 Jahrhundert n. Chr. verziert ist.

 In der Stadt sind gepflasterte Straßen, Tempel, Bäder,
 Häuser und ein monumentales Tor erhalten. Der Tempel
 Qasr el Bint wurde im ersten Jahrhundert n. Chr. erbaut
 und ist mit wertvollem Stuckwerk ausgeschmückt. Vor
 kurzem wurde ein weiterer Tempel entdeckt, der Tempel
 der Atargatis oder des Geflügelten Löwens genannt.

 Den Eingang nach Petra, namens Siq, bildet eine gigantische
 Bergspalte, in der man in Stein gehauene Dekorationen bewundern
 kann und die Reste einer Wasserleitung aus Keramik, die in
 einer Aushöhlung im Stein angebracht ist und die Stadt mit
 frischem Wasser aus dem Ain Musa versorgte. Ferner gibt es dort
 auch kleine Nischen, in denen die nabatäische Gottheit Dusharra
 dargestellt ist. Außerdem gibt es viele andere Grabfassaden in
 Petra, die in das dritte Jahrhundert n. Chr. datiert werden.

 Bei Besteigung der umliegenden Berge stößt man auf weitere
 Monumente, unter anderem auf das Grab der Urna, das Klostergrab
 (Al Deir), die "Hohe Opferstätte" (Al Madhbah), Al Habis, das
 Grab Arons und Al Turkmaniyah.


 JORDANIEN

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                                * * *

 Petra

 Die nabatäische Felsenstadt Petra gehört zu den eindrucksvollsten
 Ruinenstätten der Welt. Ihren Namen - das griechische "Petra"
 bedeutet "Fels" - hat sie von den roten Sandsteinfelsen, in die
 die Erbauer der Stadt ihre Prunkbauten und Grabmonumente gehauen
 haben.

 Petra liegt hoch über dem Wadi Araba bei Wadi Musa (Mosestal),
 nicht weit von der historischen Königsstraße, dem heutigen
 King's Highway. Es ist von Amman 277 km weit entfernt, die
 Entfernung von Aqaba beträgt 129 km.

 Die Felsenstadt, die heute ein touristisches Ziel ersten Ranges
 ist, verdankt ihre Bedeutung in der Antike vor allem ihrer Lage
 in dem Sandsteinmassiv, das einen Teil des Randgebirges östlich
 des Grabenbruchs zwischen Totem und Rotem Meer bildet. Aus
 dem verkarsteten Kalkboden entspringt die starke Quelle Ain
 Musa (Ortseingang Wadi Musa), die Mosesquelle, die am Rand der
 Wüste günstige Bedingungen für Rast- und Wohnplätze schuf -
 der Überlieferung nach soll Moses hier mit seinem Stab Wasser
 aus dem Felsen geschlagen haben, als er an der Spitze des
 Volkes Israel von Ägypten durch die Wüste ins Gelobte Land zog.

 Die Quelle ermöglichte hier menschliches Leben, die
 Abgeschlossenheit des Tals hingegen gewährte Sicherheit,
 die günstige Verkehrslage aber sorgte für Wohlhabenheit
 und Reichtum der Bewohner. So konnte Petra Jahrhunderte
 hindurch seine wichtige Stellung im Vorderen Orient
 einnehmen.

 GESCHICHTE

 Am Osthang des Wadi Araba haben in den Felsschluchten schon
 früh Menschen gewohnt: Aus der Jungsteinzeit, etwa um 6800
 vor Christus, stammen die Rundhäuser, die man im nahen Beidha
 ausgegraben hat, sie gehören zusammen mit den Funden von
 Jericho und Amman zu den ältesten Steinhäusern der Welt.

 Als erstes namentlich bekanntes Volk siedelten in der Gegend um
 das Wadi Araba die Edomiter, Abkömmlinge des biblischen Esau,
 des Bruders von Jakob, der auch Edom, der Rote, genannt wurde.
 Der Stamm wird in der Bibel öfter unter den Erzfeinden Israels
 genannt. Eine Edomitersiedlung wurde auf dem überragenden
 Sandsteinmassiv Umm el Biyara im westlichen Teil Petras
 ausgegraben, wo das Hochplateau 330 m tief zur Mitte des
 Talkessels hin abbricht. Daß gerade hier König Amazja von Juda
 (796-781 v. Chr.) zehntausend gefangene Edomiter von einem
 Felsen stürzen ließ (2 Chr. 25, 11-12), wird zwar immer wieder
 von Fremdenführern erzählt, ist aber wenig wahrscheinlich.

 Die in der Bibel erwähnte Edomiterfestung Sela - der Name
 bedeutet wie das griechische Petra "Fels" - lag wohl an
 einem anderen Ort.

 Wohl im dritten vorchristlichen Jahrhundert wurde beiderseits
 des Wadi Araba der semitische Stamm der Nabatäer seßhaft,
 er beherrschte bald den Handel auf den Karawanenwegen. Nach
 Berichten der griechischen Geschichtsschreiber Strabo und
 Diodorus Siculus schlugen die Nabatäer im Jahr 312 vor
 Christus zwei Angriffe des syrischen Diadochen Antigonus
 zurück, indem sie sich in ihre Naturfestung Petra zurückzogen
 und den mächtigen Feind durch Geschenke besänftigten. Ebenso
 verfuhren die Handelsherrn, als 63 vor Christus Pompejus ein
 Expeditionskorps schickte und als 25 vor Christus Oktavian
 Südarabien erobern wollte. Erst 106 nach Christus, als die
 Könige von Petra schon von Rom abhängig waren, wurde die
 Region zur römischen Provinz Arabia.

 Vorher hatte das Nabatäerreich stetig an Macht und Reichtum
 zugenommen. Die Nabatäerstädte, an erster Stelle Petra, lagen
 an den wichtigsten Handelsstraßen oder an deren Kreuzungen.
 Aus Südarabien wurden Weihrauch, Myrrhe und Gewürze über
 die Weihrauchstraße angeliefert, chinesische Seide kam aus
 dem Osten, Purpur und Glas aus den Mittelmeerstädten Tyrus
 und Sidon, Perlen vom Persischen Golf. Die Sicherung der
 Karawanenwege und die Zölle machten die Städte reich. Die
 Nabatäer selbst beuteten die Kupferminen des Wadi Araba aus
 und gewannen Asphalt aus dem Toten Meer.

 Der Höhepunkt nabatäischer Macht war unter Aretas III. (85-60
 v. Chr.) erreicht, als die syrischen Städte Damaskus und Bosra
 unter den Einfluß des Handelskönigreichs gerieten. Damals
 wurden wahrscheinlich der Grab- und Tempelbau El Khazneh und
 das Theater erbaut, und Aretas III., der sich "Philhellen",
 Griechenfreund, nannte, ließ als erster Münzen nach
 ptolemäischem Vorbild prägen.

 Einer seiner Nachfolger, Aretas IV. (9 v. Chr.-40 n. Chr.) wurde
 der Schwiegervater von Herodes Antipas, des Sohnes Herodes' des
 Großen. Als dieser sich scheiden ließ, um Herodias zu heiraten
 (die dann an der Enthauptung Johannes des Täufers schuld war),
 führte Aretas IV. einen siegreichen Rachefeldzug gegen ihn.

 Nach dem Tod des letzten Nabatäerkönigs Rabel II. im Jahr 106
 blühte Petra auch noch lange unter der Römerherrschaft, doch
 als der Karawanenhandel von der Konkurrentin Palmyra an sich
 gerissen wurde und teilweise sich aufs Meer verlegte, schwand
 die Bedeutung der Stadt. In byzantinischer Zeit wandelte man
 einzelne Grabbauten in Kirchen um.

 Als im siebten Jahrhundert das Land der islamischen Eroberung
 anheimfiel, war Petra nur noch spärlich bewohnt. Die Kreuzfahrer
 errichteten hier im zwölften Jahrhundert noch Befestigungen,
 doch bald versank die Stadt in Vergessenheit und ins Dunkel der
 Legenden.

 Die Wiederentdeckung ist dem Schweizer Johann Ludwig Burckhardt
 zu verdanken. Er reiste als indischer Händler verkleidet von
 Aleppo über Aqaba nach Ägypten, und als er unterwegs von der
 im Berg verborgenen Wunderstadt hörte, ließ er sich unter dem
 Vorwand, daß er als Muslim am Grab Aarons beten und opfern wolle,
 dorthin führen. Am 22. 8. 1812 betrat er Petra durch die Schlucht
 des Siq. Der österreichische Orientalist Alois Musil erschloß
 Petra kartographisch.


 Reiseführer Jordanien Polyglott
 8. Auflage 1990/91
 ISBN 3-493-60898-5